ÜBER DIE GENTHERAPIE

 

 AVXS – 101 (internationaler Begriff: onasemnogene abeparvovec; Handelsbegriff in den USA: Zolgensma@) ist die einzige Form der Gentherapie, die man bei SMA verwendet und die erfolgreich die klinischen Untersuchungen berstanden hat. Sie wurde bereits in den USA zugelassen. 

 

Zolgensma enthält Viren aus der Familie scAAV9, aus denen jeder die synthetische Sequenz überträgt, die dem Gen SMA1 entspricht. Nach der Arzneiverabreichung infizieren die Viren die Zellen (z.B. Motoneuronen - Zellen) und die übertragene Sequenz-DNA kommt in den Zellkern hinein, wo sie anfängt, das mangelnde Protein SMN zu kodieren.

 

Die Gentherapie ändert weder den genetischen Code des Patienten, noch repariert den genetischen Fehler, der für SMA verantwortlich ist. Die von den Herstellern benutzter Begriff „Therapie, die das Gen ersetzt” (gene replacement therapy) wird von den Wissenschaftlern stark kritisiert und als irrenführend empfunden. Die durch AVXS-101 entstandenen Änderungen in den Zellenkernen werden nicht vererbt.

 

Zolgensma fängt an schnell zu wirken und der Proteinstand im Körper steigt innerhalb von ein paar Tagen nach der Medikamentenverabreichung. Das verursacht, dass das Medikament besonders wirksam bei den Neugeborenen ist, bei denen die Krankheit bereits diagnostiziert wurde – gerade in dieser Etappe erfolgt der Verlust der Nervenzellen am schnellsten.

 

Die Einnahme des auf dem Virus basierenden Medikamentes verursacht, dass im Organismus die dauerhafte Immunfähigkeit gegen diesen Virus entsteht. Aus diesem Grund darf Zolgensma nur einmal im Leben verabreicht werden. Ein Teil der Bevölkerung besitzt bereits Antikörper gegen diesen Virustyp. Gegen AVXS – 101 sind nur ein paar Prozent der Neugeborenen immun, aber bei den Erwachsenen sogar bis zu 50%. Solche Personen dürfen keine auf diesem Virus basierenden Präparate einnehmen.

 

Der Produzent arbeiten daran, eine neue Form des Medikamentes herzustellen, die man intrathekal verabreichen kann (d.h. per Lumbalpunktion). Dadurch könnten potenziell auch ältere Patienten behandelt werden, selbstverständlich unter der Voraussetzung, dass man die Sicherheit und Wirksamkeit gewährleisten kann.

 

Die polnische Stiftung SMA, die im Rahmen von SMA Europe arbeitet, unterstützt die Anstrengungen der Firma AveXis auf dem Gebiet der Entwicklung und Zulassung der Gentherapie in Europa. Sie nahm unter anderem teil an der Bearbeitung der Voraussetzungen der europäischen klinischen Untersuchungen dieser Therapie. Sie arbeitet auch mit der Europäischen Arzneimittelagentur an der Zulassung der Gentherapie auf dem Markt, insbesondere möchte sie die Zielgruppe bestimmen.

 

GESCHICHTE

Die Untersuchungen an der Gentherapie bei SMA fingen 2006 in Frankreich an, als das Team von Dr. Martine Barkats, das u.a. durch die Patientenvereinigung AFM TELETHON finanziert wurde, eine Methode entwickelte, dank der die Zulieferung der Transgene in den Motoneuronen mit Hilfe der Viren scAAV9 möglich wurde. Diese Untersuchungen machten Fortschritte und 2011 gab DR. Barkats erstmals die „Heilung“ von Mäusen bekannt, die unter der schwierigsten Form von SMA litten.

 

Kurz danach begann DR. Brian Kasper aus den USA die wissenschaftlichen Arbeiten an der klinischen Anwendung dieser Methode. Mit Hilfe von Zuwendungen im mehrstelligen Millionenbereich, die durch verschiedene Patientenvereinigungen u.a. SMA Europe, Cure SMA und Sophia’s Cure Foundation zur Verfügung gestellt wurden, war es möglich, die Methode der genetischen Modifikation der SMA-Anzeichen an Mäusen und Schweinen zu testen und die Sicherheit zusätzlich an Affen. Ab 2013 wurde die Entwicklung der Gentherapie von Dr. Kaspar im Rahmen des vom ihm gegründeten Unternehmens AveXis geleitet (2018 übernommen durch den Konzern Novartis).

 

Im Frühling 2015 wurde AVXS-101 erstmals im Rahmen einer registrierten klinischen Studie einem an SMA erkrankten Kind verabreicht. Bis Mitte 2016 nahmen schon 15 Kinder an der Untersuchung teil. In den Folgejahren wurden drei weitere klinische Studien mit Teilnahme von Neugeborenen durchgeführt, zwei davon außerhalb der USA.

 

Aufgrund der positiven Ergebnisse der Studien beantragte die Firma AveXis im Oktober 2018 die Marktzulassung dieser Form von AVXS-101 in der EU, den USA und Japan. Am 24. Mai 2019 wurde die intravenöse Form von AVXS-101 in den USA für Kinder unter 24 Lebensmonaten zugelassen, auch wenn diese noch keine Anzeichen zeigen. Die Zulassungsverfahren in der EU und in Japan dauern noch an. Mit einer Zulassung wird im ersten Quartal 2020 gerechnet.

 

In einer sehr umstrittenen Entscheidung hat der Hersteller das Medikament mit 2,125 Millionen US-Dollar pro Dosis bewertet, was dazu geführt hat, dass Zolgensma zum teuersten Medikament der Welt wurde.

Quelle: https://www.fsma.pl/leki/avxs-101

 

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Hanna Łączkowska

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